
Yannick H.,
TLDR;
KMU-IT sieht überall gleich aus, nicht weil es Best Practice ist, sondern weil MSPs für sich optimieren, nicht für dich. Der Ausweg ist keine neue Technologie. Es ist eine eigene IT-Strategie, die an deinem Geschäftsmodell hängt.

Letzte Woche haben wir zwei IT-Audits durchgeführt. Verschiedene Branchen, verschiedene Grössen, verschiedene Geschäftsmodelle. Und trotzdem: fast identische IT-Landschaften.
Microsoft 365 als Collaboration-Suite. Azure oder AWS für die Cloud. Ein ERP von Abacus oder SAP Business One. Backup über Veeam. Security über einen der drei grossen EDR-Anbieter. Managed durch einen regionalen MSP, der zufällig auch den Nachbarn betreut.
Es ist, als würde jemand dieselbe IT-Landschaft per Copy-Paste über die gesamte Schweizer KMU-Welt verteilen. Und das ist ein Problem. Ein grösseres, als die meisten denken.
Deine IT ist nicht deine IT
Die IT-Landschaft der meisten KMU wird nicht strategisch geplant. Sie entsteht. Schrittweise. Reaktiv. Durch eine Kombination aus drei Kräften, die alle in dieselbe Richtung drücken.
Dein MSP bestimmt den Stack. Managed Service Provider arbeiten effizient, wenn sie einen standardisierten Stack betreiben. Das ist betriebswirtschaftlich völlig nachvollziehbar. Aber es bedeutet, dass deine IT nicht auf dein Geschäft optimiert ist, sondern auf die Betriebsprozesse deines Dienstleisters.
Vendor-Marketing formt Erwartungen. Microsoft, Google, AWS investieren Milliarden in Erzählungen, die ihre Plattformen als einzig sinnvolle Lösung positionieren. Das ist nicht falsch. Aber es verengt den Blickwinkel auf das, was ein bestimmter Vendor anbietet, statt auf das, was dein Unternehmen braucht.
Fehlende interne IT-Strategie. Ohne eigene Vorstellung davon, was die IT leisten soll, füllen externe Akteure diese Lücke. Und sie füllen sie mit dem, was sie kennen und verkaufen können.
So entsteht IT-Landschaft auf Autopilot. Hundert KMUs, hundert verschiedene Geschäftsmodelle, hundert Mal derselbe Stack.

Einmal drauf, nie mehr runter
Das eigentliche Problem ist nicht die Standardisierung an sich. Standardisierung hat Vorteile: Verfügbarkeit von Know-how, erprobte Prozesse, breite Community. Das Problem ist die Pfadabhängigkeit, die daraus entsteht.
Mit jedem Jahr, das du einen Stack nutzt, steigen die Wechselkosten. Integrationen wachsen. Prozesse hängen an spezifischen Features. Mitarbeitende kennen nur dieses eine System. Irgendwann ist der Wechsel nicht mehr teuer, er ist irrational.
Das betrifft nicht nur einzelne Tools. Dein Backup hängt an deinem Cloud-Provider. Dein Security-Stack hängt an deinem MSP. Dein ERP hängt an Integrationen, die jemand vor fünf Jahren gebaut hat und die niemand dokumentiert hat. (Wir haben dazu einen ausführlichen Artikel geschrieben: Du willst wechseln, aber du kannst nicht. Lohnt sich, wenn das Thema dich betrifft.)

Gleichförmigkeit ist kein Qualitätsmerkmal
Wenn alle KMUs in deiner Branche denselben Stack nutzen, teilt ihr euch auch die Angriffsfläche. Eine Schwachstelle in einer verbreiteten Komponente trifft nicht ein Unternehmen, sie trifft alle gleichzeitig. Im Juli 2024 hat ein fehlerhaftes CrowdStrike-Update rund 8,5 Millionen Windows-Geräte weltweit lahmgelegt. Monokultur in der IT ist genauso riskant wie Monokultur in der Landwirtschaft.

Und es geht weiter. Wenn deine IT-Landschaft identisch ist mit der deines Konkurrenten, schafft Technologie keinen Wettbewerbsvorteil mehr. Sie wird zur reinen Kostenstelle. Kostenstellen werden optimiert, nicht investiert.
Was du dagegen tun kannst (ohne alles umzubauen)
Wir sagen nicht: Schmiss alles weg und bau von vorne. Das wäre genauso unrealistisch wie der Status quo ungesund ist. Was wir sagen:
Mach eine ehrliche Bestandsaufnahme. Welche Teile deiner IT sind bewusst gewählt? Welche sind einfach passiert? Bei den meisten Kunden, die wir begleiten, liegt das Verhältnis bei 20/80. 20% bewusst, 80% gewachsen.
Definiere, was strategisch ist. Nicht alles muss einzigartig sein. Aber die Systeme, die direkt dein Geschäft unterstützen, dein ERP, dein CRM, deine Produktionssteuerung, sollten auf deine Bedürfnisse zugeschnitten sein. Nicht auf den Standard deines MSP.
Baue Optionalität ein. Offene Standards. Dokumentierte Schnittstellen. Verträge mit Exit-Klauseln. Nicht weil du wechseln willst, sondern weil du wechseln können willst.
Trenne Betrieb von Strategie. Dein MSP soll deinen Betrieb zuverlässig führen. Aber die strategischen Entscheidungen, welche Technologien, welche Architektur, welche Richtung, die müssen bei dir liegen.
Wir helfen Schweizer KMU und Mid-Market-Unternehmen, ihre IT-Landschaft bewusst zu gestalten. Vendor-neutral, pragmatisch, mit dem Ziel, dass deine IT zu deinem Geschäft passt. Mehr zu unserem Ansatz.


