
Jessica A.,
TLDR;
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Schweizer Unternehmen zahlen für stabile Cloud-Workloads im Schnitt 30 bis 40 Prozent mehr als für vergleichbare dedizierte Infrastruktur. Cloud Repatriierung ist kein Rückschritt, sondern eine datenbasierte Entscheidung. Der erste Schritt ist eine ehrliche Fünfjahresrechnung, die Egress-Gebühren, Support-Kosten und überbereitgestellte Ressourcen einschliesst.

TLDR: Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Schweizer Unternehmen zahlen für stabile Cloud-Workloads im Schnitt 30 bis 40 Prozent mehr als für vergleichbare dedizierte Infrastruktur. Cloud Repatriierung ist kein Rückschritt, sondern eine datenbasierte Entscheidung. Der erste Schritt ist eine ehrliche Fünfjahresrechnung, die Egress-Gebühren, Support-Kosten und überbereitgestellte Ressourcen einschliesst.
CHF 14'400 pro Jahr für einen Workload, der CHF 8'500 kosten könnte
Wir haben vor kurzem mit einem Produktionsunternehmen aus der Deutschschweiz gerechnet. 180 Mitarbeitende, ERP-System seit vier Jahren in der Public Cloud. Die monatliche Rechnung: rund CHF 1'200. Klingt nach einem normalen Betrag.
Dann haben wir aufgeschlüsselt. CHF 480 Compute für eine Instanz, die 24/7 auf konstantem Niveau läuft. CHF 210 Storage. CHF 190 Egress-Gebühren, weil das ERP ständig Daten an lokale Systeme liefert. CHF 95 für Monitoring und Logging des Cloud-Anbieters. CHF 85 für den Support-Vertrag oberhalb der Basisebene. Dazu kamen noch Posten für Backup, Datenbanklizenzen unter Cloud-Konditionen und überbereitgestellte Ressourcen, die seit dem Go-live nie angepasst wurden.
Jährlich: CHF 14'400. Auf fünf Jahre hochgerechnet: CHF 72'000.
Die Alternative, die wir durchkalkuliert haben: ein dedizierter Server im Schweizer Colocation-Rechenzentrum. Anschaffung plus Setup rund CHF 12'000, monatliche Colocation-Gebühr CHF 350, laufende Wartung eingerechnet. Fünfjahreskosten: circa CHF 33'000.
Die Differenz: CHF 39'000. Für einen einzigen Workload.
Das ist kein Anti-Cloud-Argument. Es ist Arithmetik.
Wo die Kalkulationen systematisch daneben liegen
Die erste Cloud-Migration der meisten Unternehmen basierte auf Preislisten und Schätzungen. Das war nicht naiv, es war schlicht der einzige Weg, bevor reale Verbrauchsdaten vorlagen. Jetzt, drei bis fünf Jahre später, existieren diese Daten. Und sie erzählen eine andere Geschichte als die ursprünglichen Business Cases.
Drei Kostenblocks tauchen in fast keiner initialen Kalkulation auf.
Egress-Gebühren. Jedes Gigabyte, das die Cloud verlässt, kostet. Für Unternehmen mit internen Datenflüssen zwischen Produktion, ERP, Analytics und Backup summiert sich das auf Beträge, die in keiner ursprünglichen Rechnung standen. Wir sehen regelmässig Fälle, in denen Egress 12 bis 18 Prozent der gesamten Cloud-Rechnung ausmacht. Im eigenen Rechenzentrum oder in einer Colocation-Umgebung: null.
Lizenzkosten unter Cloud-Konditionen. Datenbank-Lizenzen, die on-premises mit einem Festpreis abgedeckt waren, laufen in der Cloud oft auf verbrauchsbasierter Abrechnung. Bei stabilen Workloads heisst das: du zahlst mehr für dieselbe Nutzung, ohne den Vorteil der Elastizität zu nutzen. Wir haben Projekte gesehen, in denen allein die Datenbank-Lizenzkosten in der Cloud doppelt so hoch waren wie on-premises.
Überbereitgestellte Ressourcen. Bei der initialen Migration werden Instanzen grosszügig dimensioniert. Sicherheitshalber. Verständlich. Aber diese Sicherheitsmarge bleibt dann oft jahrelang bestehen. Niemand traut sich, die Instanz zu verkleinern, weil niemand genau weiss, wann Lastspitzen auftreten. Das Ergebnis: permanente Überbereitstellung, die jeden Monat Geld verbrennt.
Dazu kommen Support-Verträge, Monitoring-Tools und Security-Dienste des Cloud-Anbieters, die jeweils separat abgerechnet werden. In Summe sehen wir bei stabilen 24/7-Workloads regelmässig eine Kostenabweichung von 30 bis 60 Prozent gegenüber der ursprünglichen Schätzung.
Wir haben das Thema Cloud-Kostentransparenz in einem separaten Beitrag ausführlich behandelt: Cloud-Kosten ausser Kontrolle? So schaffst du Transparenz.
Die Entscheidungsmatrix: Welche Workloads sind Kandidaten?
Nicht jeder Workload ist ein Repatriierungs-Kandidat. Wer pauschal alles zurückholen will, macht denselben Fehler wie diejenigen, die pauschal alles in die Cloud geschoben haben. Die Entscheidung muss pro Workload fallen, basierend auf messbaren Kriterien.
Auslastungsmuster. Workloads mit konstanter, vorhersehbarer Last sind die stärksten Kandidaten. Cloud-Preismodelle sind für Elastizität optimiert. Wenn du diese Elastizität nicht brauchst, zahlst du einen Aufpreis für eine Fähigkeit, die du nicht nutzt. Entwicklungsumgebungen, saisonale Spitzenlast, internationale Expansion: Hier lohnt sich die Cloud. ERP-Systeme, Produktionsdatenbanken, interne File-Services: Hier oft nicht.
Datenvolumen und Transfermuster. Je mehr Daten ein Workload mit anderen internen Systemen austauscht, desto teurer wird er in der Cloud. Ein ERP, das ständig Daten an Produktion, Buchhaltung und Analytics liefert, erzeugt erhebliche Egress-Kosten. Im eigenen Netzwerk entfallen diese komplett.
Regulatorische Anforderungen. Schweizer Unternehmen in Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen oder Behördennähe haben konkrete Vorgaben, wo Daten liegen dürfen und wer darauf Zugriff hat. In der Public Cloud ist das technisch lösbar, aber es erzeugt laufenden Compliance-Aufwand. Wer seine Daten vollständig kontrollieren muss, hat on-premises oder im Schweizer Rechenzentrum manchmal das einfachere Setup. Zum Thema digitale Souveränität haben wir hier mehr geschrieben: Digitale Souveränität für Schweizer Unternehmen.
Vendor-Abhängigkeit. Unternehmen, die sämtliche kritische Systeme bei einem einzigen Cloud-Anbieter betreiben, haben ihre IT-Zukunft de facto in eine externe Hand gegeben. Was passiert bei drastischen Preiserhöhungen? Wenn Features ersatzlos gestrichen werden? Wir haben in einem separaten Beitrag beschrieben, warum viele Unternehmen glauben, sie könnten wechseln, es dann aber nicht können: Du willst wechseln, aber du kannst nicht.
Die Hybrid Cloud Strategie, ein Teil der Workloads in der Cloud und ein Teil on-premises, ist für viele Unternehmen die realistisch beste Antwort. Nicht als Kompromiss. Als kostenoptimierte Architekturentscheidung.
Der praktische Ablauf einer Repatriierung
Wenn die Zahlen für eine teilweise Repatriierung sprechen, ist der Prozess weniger dramatisch als eine initiale Cloud-Migration. Vier Schritte.
Erstens: Inventur. Welche Workloads laufen wo, welche Ressourcen nutzen sie, welche Abhängigkeiten bestehen zu anderen Systemen? Ohne diese Basis planst du im Dunkeln.
Zweitens: Klassifizierung. Systeme, die stark auf Cloud-native Services angewiesen sind (Serverless Functions, Managed Kubernetes, anbieter-spezifische Datenbanken), lassen sich nicht ohne erheblichen Aufwand herauslösen. Die geeigneten Kandidaten haben wenig Cloud-Integration, stabile Auslastung und klare Datenhaltung.
Drittens: Zielarchitektur definieren. Eigenes Rechenzentrum, Colocation in der Schweiz oder ein privates Cloud-Modell? Wie wird die Hybrid-Architektur zwischen Cloud und On-Premises koordiniert?
Viertens: Migration in kontrollierten Schritten. Mit Rollback-Plan. Nicht alles auf einmal, sondern Workload für Workload.
(Was wir nie empfehlen: aus dem Bauchgefühl heraus den grössten Workload als ersten zu migrieren. Das endet selten gut.)
Die Zahlen, die zählen
30-40% Mehrkosten zahlen Schweizer Unternehmen typischerweise für stabile 24/7-Workloads in der Public Cloud gegenüber dedizierter Infrastruktur.
12-18% der Cloud-Rechnung entfallen bei datenintensiven Umgebungen auf Egress-Gebühren, die in den meisten initialen Kalkulationen nicht auftauchen.
5 Jahre ist der Zeithorizont, auf dem du Cloud- und On-Premises-Kosten vergleichen solltest. Alles darunter verzerrt das Bild zugunsten der Cloud.
Wenn du dir unsicher bist, wo du anfangen sollst, oder wenn deine aktuelle Kostenrechnung kein klares Bild ergibt: Das ist eine gute Ausgangssituation für ein Gespräch. Wir helfen dir, die richtigen Fragen zu stellen, bevor die Verträge laufen.
Digitale Souveränität und Cloud-Strategie mit ODCUS besprechen


